Jede dritte Frau erlebt im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexualisierte Gewalt, häufig durch den eigenen Partner. Hinter diesen nüchternen Zahlen stehen Gesichter, Biografien – und ein Alltag, in dem Angst und Anpassung oft unsichtbar mitlaufen. Im hessischen Lich arbeitet Sifu Frank Durst seit Jahren an einem Gegenmodell: In seinem Zentrum DURST-AKTIV verbindet er Selbstbehauptung, Kampfkunst und Gesundheitsprävention zu einem Ansatz, der Frauen früher stark machen soll, lange bevor die erste Ohrfeige fällt.
Der Kampf beginnt selten mit dem ersten Schlag
Aus Sicht des Licher Kampfkunstlehrers ist Gewalt gegen Frauen ein Prozess, kein einzelnes Ereignis. Am Anfang stehen häufig abwertende Bemerkungen, Kontrolle über Kontakte und Finanzen, permanente Kritik oder subtile Drohungen. Körperliche Gewalt ist oft der sichtbare Endpunkt einer Entwicklung, in der das Selbstwertgefühl der Betroffenen schrittweise ausgehöhlt wurde.
Selbstbehauptung statt „hart machen"
Im DURST-AKTIV Zentrum geht es dabei ausdrücklich nicht darum, Frauen “härter” zu machen oder auf den Gegenangriff zu trimmen. Im Mittelpunkt steht Selbstbehauptung: Früh auf das eigene Unwohlsein hören, klare Grenzen formulieren, Distanz schaffen und Hilfe einbeziehen, bevor eine Situation eskaliert.
In Kompaktkursen und fortlaufenden Trainings arbeitet Durst mit einfachen, aber konsequent eingeübten Bausteinen:
- Klare Nein-Sätze ohne Rechtfertigung
- Körperhaltungen, die Präsenz signalisieren
- Klar definierte Exit-Strategien
Gesundheit als Schutzfaktor
Ein wichtiges Element des Konzepts ist der Gesundheitsaspekt. Neben WingTsun und Selbstschutz fließen Tai Chi, Qigong und Faszienarbeit in die Kurse ein. “Ein erschöpfter Körper, ein überdrehtes Nervensystem – das alles macht Frauen angreifbarer”, so Durst.
Ein Thema für die ganze Gesellschaft
Für Frank Durst ist Gewalt gegen Frauen keine “Privatsache”, sondern ein gesellschaftlicher Auftrag. Schulen, Vereine, Betriebe und Kommunen müssten das Thema systematisch in Präventionsarbeit integrieren.
“Das Ziel ist einfach”, sagt Durst. “Weniger Angst, weniger Eskalation, weniger Verletzte. Und mehr Frauen, die ohne ständige innere Notbremse durch ihren Alltag gehen können.”
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